Hainburg20 ÖKOWEB
Die Zeittafel

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Vorgeschichte
1982

Die Donaukraftwerke AG (DoKW) setzt endgültig zum seit 1952 geplanten Vollausbau der Donau-Staukette an: neben der (heute realisierten) Staustufe Wien fehlte nur noch das Kraftwerk bei Hainburg. Dieses bis dahin größte Projekt soll mit einer 500 m breiten Staumauer sieben Quadratkilometer Aulandschaft überfluten. Dies, obwohl Österreich mittlerweile dem "Ramsar-Übereinkommen" zum Schutz von Feuchtgebieten und dem "Berner Abkommen zur Erhaltung wildlebender Tier und Pflanzen" beigetreten ist.

Feb. 1983

Der WWF ("World Wildlife Fund", heute: "World Wide Fund for Nature") startet seine Kampagne "Rettet die Auen".
An die 20 Umweltgruppen gründen schließlich die "Aktionsgemeinschaft gegen das Kraftwerk Hainburg".

Der Kampf um die Hainburger Au
7.5.1984

"Pressekonferenz der Tiere". Mehrere Prominente sowie Umweltschützer aller Lager geben als Tiere verkleidet eine Pressekonferenz (darunter Günther Nenning als Auhirsch, Jörg Mauthe als Schwarzstorch, der derzeitige Vizekanzler Hubert Gorbach als Blaumeise) und beabsichtigen, ein Volksbegehren einzuleiten (unter Federführung von Gerhard Heilingbrunner und Günther Nenning), wobei der populäre Nobelpreisträger Konrad Lorenz als Frontmann gewonnen wird. Das Volksbegehren heißt nun "Konrad–Lorenz–Volksbegehren".

26.11.1984

Der niederösterreichische Landesrat Ernest Brezovsky erteilt dem Kraftwerk unter strittigen Bedingungen (sein Kraftwerk-kritischer Hofrat für Naturschutz-Angelegenheiten wurde kurzerhand kaltgestellt) die naturschutzrechtliche Genehmigung und löst damit einen Proteststurm aus.

27.11.1984

Studenten besetzen aus Protest gegen den Bescheid das (damals noch in Wien ansässige) Niederösterreichische Landhaus.

5.12.1984

Wasserrechts- und Rodungsbescheid des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft Günther Haiden fallen ebenfalls positiv für das Kraftwerk aus.

8.12.1984

Sternwanderung des "Konrad–Lorenz–Volksbegehrens", der Österreichischer Hochschülerschaft und anderen Au-Initiativen mit ca. 5.000 TeilnehmerInnen auf die "Brücklwiese" bei Stopfenreuth. Freda Meissner-Blau, Günther Nenning, Jörg Mauthe und Bernd Lötsch treten neben anderen als Sprecher auf. Aufruf zum "gewaltfreien Widerstand" gegen das Kraftwerk.

10.12.1984

Beginn der Rodungsarbeiten. Einige hundert Auschützer blockieren die Zufahrtswege, werden "geräumt" und erhalten Massenzulauf.

Dez. 1984

Erste Besetzungen durch ca. 200 AktivistInnen aus den verschiedenen Umweltinitiativen. Räumungsaktionen durch die Polizei führen zu einem immer größerem Zustrom an Umweltschützern. Die Österreichische Hochschülerschaft mobilisiert weiter die StudentInnen. Immer wieder Einsatz der Gendarmerie. Politiker und die Gewerkschaft Bau-Holz unter dem späteren Sozialminister Josef Hesoun drohen, Arbeiter als Demonstranten für den Kraftwerksbau in die Au zu mobilisieren.

11.12.1984 Der Maler Friendensreich Hundertwasser zerreißt aus Protest gegen den Kraftwerksbau den von der Republik erhaltenen "Großen Österreichischen Staatspreis" vor laufenden Kameras.
12.12.1984

Proponenten des "Konrad–Lorenz–Volksbegehrens" verhandeln insgesamt 13 Stunden mit der Regierung. Bis 17. Dezember soll eine Art "Waffenstillstand" herrschen.
Die ÖH ruft die Studenten zum Protest-Streik auf, die meisten Vorlesungen an der Universität Wien werden boykottiert.

17.12.1984

Je nach Schätzung 3.500 bis 4.000 Naturschützer halten mittlerweile die Au besetzt. Die "Nachdenkpause" läuft aus.

19.12.1984

Bisher brutalster Polizeieinsatz in der Stopfenreuther Au. 2.000 Polizisten mit Knüppeln, Schilden und Hunden werden gegen die Naturschützer eingesetzt. Die zur "Baustelle" erklärte Au soll geräumt werden. Dutzende Aubesetzer werden verletzt.
Daraufhin folgt eine spontane Großdemonstration (mit etwa 20.000 bis 40.000 Menschen, je nach Schätzung) auf dem Heldenplatz in Wien gegen die Rodung der Au bzw. das Vorgehen der Exekutive.

20.12.1984

Die Medien bringen Bilder des Polizeieinsatzes mit blutenden Demonstranten und prügelnden Polizisten auf ihren Titelseiten, die "Neue Kronen Zeitung" titelt mit "Die Schande von Hainburg" Das Profil bringt kurz darauf ein eigens produziertes Sonderheft heraus.
Die Zahl der Naturschützer in der besetzten Au wächst auf über 7.000. Das Thema dominiert sämtliche Medien.

21./22.
Dez.1984

In der Nacht vom 21. auf 22. verfügt die Bundesregierung nach einer Krisensitzung im Innenministerium einen Rodungsstop. Bundeskanzler Fred Sinowatz verkündet schließlich 3 Tage vor Weihnachten den "Weihnachtsfrieden" und eine damit verbundene "Nachdenkpause" (14 Tage keine Rodungen und Räumungen).

24.12.1984 Weihnachtsmette in der Au.
1984/85

Viele Naturschützer verbringen trotz Kälte und Schnee die Weihnachtstfeiertage in der Au.

2.1.1985

Der Verwaltungsgerichtshof hebt aufgrund einer von den Kraftwerksgegnern eingebrachten Beschwerde den Wasserrechtsbescheid für das Kraftwerk Hainburg wegen Rechtswidrigkeit auf. Das bedeutet auch rechtlich den Baustopp und aufschiebende Wirkung bis zur Sanierung des Wasserrechtsverfahrens (was allerdings nie mehr geschieht).

12.1.1985

Es kommt zum Treffen zwischen Bundeskanzler Fred Sinowatz und dem Nobelpreisträger Konrad Lorenz in Klosterneuburg.

4.11.
März 1985

Das Konrad-Lorenz-Volksbegehren gegen den Kraftwerksbau und für die Errichtung eines Nationalparks wird durchgeführt und bringt mehr als 353.000 Unterschriften.

9.4.1985

Eine Ökologiekommission unter Führung von Jörn Kaniak (Flussbau) und Bernd Lötsch (Nationalpark) wird eingesetzt und erklärt die Unvereinbarkeit von Auen-Nationalpark und Flusskraftwerken. Jörn Kaniak präsentiert jedoch ein Zweistufenprojekt Wildungsmauer-Wolfsthal, welches bei der restlichen Ökologiekommission jedoch auf wenig Gegenliebe stößt...

1985

Günther Nenning wird wegen "parteiwidrigen Verhaltens" aus der SPÖ ausgeschlossen.

Der Weg zum Nationalpark
Mai-Nov.
1986

Beginn der Planungsphase für einen Nationalpark unter Umweltminister Franz Kreuzer. Gründung des Vereins "Nationalpark Donau-Auen" mit Bernd Lötsch an der Spitze.

11.6.1987

Statt Hainburg soll nun laut Regierung das Zweistufenprojekt Wildungsmauer-Wolfsthal II ins Auge gefasst werden.

30.3.1989

Wirtschaftsministers Robert Graf (ÖVP) spricht sich für ein Stauprojekt bei Engelhartstetten aus, tritt jedoch kurz darauf zurück.

1989-90

Bernd Lötsch und der Verein "Nationalpark Donau-Auen" initiieren mit dem WWF unter Präsident Gustav Harmer die Aktion "Natur freikaufen", um Au-Käufen der DoKW zuvorzukommen. Mit Hilfe einer mehrstündigen Live-Sendung des ORF gelingt es, die fehlenden Spenden in einer einzigen Nacht aufzubringen.

Juni 1990

Der Bund und die Länder NÖ und Wien kommen im Rahmen eines 15a-„Staatsvertrages“ überein, die Möglichkeit der Errichtung eines Nationalparks Donauauen prüfen und geeignete Maßnahmen abklären zu lassen. Verlangt wird die Prüfung der Kompatibilität mit zahlreichen Nutzungen (Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei, Schifffahrt, Energie etc.), die Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung und die Berücksichtigung früherer Studien. Beauftragt wird die Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal, die wiederum die Direktoren Dr. Reinhold Christian und Dr. Heinz Kaupa (später Donaukraft AG) mit der Leitung des Projekts betraut.

1991-1993

In umfassenden konzeptiven Arbeiten werden mehrere Varianten für einen Nationalpark Donauauen entwickelt. Hunderte Informations- und Diskussionsveranstaltungen für die interessierten (und teilweise sehr Nationalpark-kritischen) Bürger und Gemeinden bieten Gelegenheit zur Mitwirkung. Eine volkswirtschaftliche Analyse, die dem Nationalpark die Kraftwerksnutzung gegenüberstellt, ergibt ein für den Naturschutz überaus günstiges Bild.

1994-1995

Die Auftraggeber fordern trotz der umfassenden Arbeiten die Klärung weiterer Fragen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Akzeptanz in der Region. Bürgerbüros und Informationszentren werden geschaffen, Führungen durchgeführt, Interessengruppen und die örtliche Gemeindeöffentlichkeit laufend weiter über machbare Lösungen informiert. Überdies werden erste Maßnahmen zur Konkretisierung gesetzt, die zu einer Entkrampfung der Diskussion führen.

Ende 1995

Das Nationalparkteam wird aufgelöst, einige Mitarbeiter betreuen das Projekt weiter bis zur politischen Beschlussfassung.

Jänner 1996

Das Niederösterreichische Nationalparkgesetz tritt in Kraft.

Juni 1996

Das Wiener Nationalparkgesetz tritt in Kraft.

27.10.1996

Der Nationalpark Donau-Auen wird nach 18 Jahren Konflikten endlich gegründet.

1.1.1997

Die Nationalpark Donau-Auen GmbH beginnt mit ihrer Arbeit.

Dez. 2004

Die Ereignisse rund um die Hainburger Au jähren sich zum 20. Mal.

 
 
 
ÖH - Österreichische HochschülerInnenschaft
Lebensministerium
Land Niederösterreich
ISOVER Austria AG
Nationalpark Donau-Auen
oekodatenbank

Aufruf

Die österreichische Umweltbewegung sagt Dank an die über 10.000 BesetzerInnen
der Hainburger-Au von 1984
WWF Forum Wissenschaft und Umwelt Anti Atom International ARGE ÖGUT
Global2000 Virus ARGE Agenda X ALLIANCE FOR NATURE
Ökobüro Umwelt Dachverband Naturschutzbund Klimabündnis Vier Pfoten
Naturfreunde Österreich Verein gegen Tierfabriken OÖ Plattform gegen Atomgefahr ARGE Müllvermeidung Plage Salzburg
Forum Umweltbildung
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